Digitalisierung im Handwerk

DetailDigitalisierung im Handwerk

Stichwort Digitalisierung:

Ein digitales Büro in einem klassischen Handwerksbetrieb – einer Manufaktur – ist das überhaupt umsetzbar und auch sinnvoll?

Darüber haben wir uns im Vorfeld zugegeben gar keine Gedanken gemacht. Für uns stand von Beginn an die Situation im Raum, dass das Büro so wenig Zeit wie irgend möglich kosten darf, denn die Zeit wird natürlich für Kunden und Aufträge benötigt. Klar war auch immer, es mussten zwei Personen im Büro arbeiten und Björn würde viel unterwegs sein, sowohl im In- als auch im Ausland und musste natürlich dennoch jederzeit Zugriff auf das aktuelle Geschehen haben.

ArmaturAlso was tun?

Was wir dann begannen war eine Reise durch die Möglichkeiten von Hard- und Software, auf der wir uns auch heute noch befinden.

Im Laufe der vergangenen acht Jahre veränderte sich unsere Tischlerei – Mitarbeiter kamen dazu, wir haben angefangen auszubilden, mehrere Projekte mussten parallel abgewickelt werden, Arbeitsvorbereitung und Zeiterfassung spielten eine immer größere Rolle.

Gleichzeitig setzten sich Smartphones immer mehr durch, Brief und Fax wurden gerade auch für Angebote und Rechnungen durch die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation abgelöst. Personen nahezu jeden Alters sind mit moderner Technik vertraut.

Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben diese Möglichkeiten zu nutzen und werden berichten welche Erfahrungen wir im Laufe der Zeit gesammelt haben.

Digitalisierung unterstützt die Fachkräftegewinnung

FachkräftegewinnungFachkräftegewinnung im Handwerk

Wer in den vergangenen Wochen die Posts (handwerk.com ) gelesen hat oder auch die Zeitung „Norddeutsches Handwerk erhält, wird unseren Artikel gesehen haben.

Klar freuen wir uns riesig über den Artikel und sind auch ein kleinwenig stolz. Dennoch war dieser Artikel bzw. das vorhergehende Interview für uns weitaus mehr. Es war ein Anlass unser Vorgehen, unsere Organisation und unsere Arbeitsweise zu hinterfragen:

  • Ist es sinnvoll wie wir vorgehen?
  • Was sind die Vorteile?
  • Was können wir verbessern?

Zu optimieren gibt es immer. Das ist keine Frage aber dafür ein stetiger Prozess. Die Antworten auf unsere Fragen kann man im Interview lesen oder sehen und hören.

Interessant ist, dass wir gerade jetzt nach dem Erscheinen des Artikels gefragt werden: Warum organisieren wir unseren Betrieb digital? Wie funktioniert digitale Organisation?

Aktuell haben wir ein ganz neues und tolles Beispiel, warum wir von der digitalen Organisation unseres Betriebes nicht mehr abweichen werden.

BjörnÜberlastung verhindern

Seit Monaten ist es bei uns ein großes Thema, dass Björn sich versucht zwischen Büro und Werkstatt zu zerteilen, dabei aber auf keinem Fall die Gespräche mit den Kunden zu kurz kommen. Ich glaube viele Betriebe können diese Situation nachvollziehen.

Das Ergebnis dessen war, dass es zu lange dauerte bis wir Zeichnungen und Angebote erstellt haben. Über einen sehr langen Zeitraum hinweg haben wir nach geeigneten Mitarbeiterinnen gesucht, um diese Situation lösen.

Die Lösung ergab sich nun wie so oft aus unserem persönlichen Netzwerk. Eine Tischlermeisterin mit viel Erfahrung im Möbelbau, Mutter dreier Kinder, die tickt wie wir, ist genau die Richtige für unser Anliegen. Zeichnungen und Berechnungen sind ihr Ding – perfekt.

Andrea GrannemannRemote arbeiten

Das Problem: Ihr Wohnort und unser Betrieb trennt eine Distanz von ca. 100 km.

Müsste sie vor Ort in unseren Räumlichkeiten arbeiten, wäre die Distanz aus unterschiedlichen Gründen ein Ausschlusskriterium für die Zusammenarbeit. Dank moderner Technik und Digitalisierung ist es das nicht.

Mit ein paar Klicks sind die nötigen Zugänge geschaffen, Technik installiert, Daten freigeben und es kann losgehen.

Wer Familie hat weiß wie wichtig Flexibilität ist. Zeitgleich ist es aber gerade auch dann toll, in dem Beruf arbeiten zu können, der einem Spaß macht. Ein flexibler Arbeitsplatz bei dem es nicht notwendig ist vor Ort im Büro zu sitzen, bietet ungeahnte Möglichkeiten, die sich erst durch die Nutzung digitaler Möglichkeiten offenbart.

 

Natürlich verändert ein solches Modell im Betrieb auch eine Menge und ganz neue und andere Formen der Kommunikation sind gefragt und stellen eine Herausforderung da.

Dennoch, in Zeiten von Fachkräftemangel und ermüdender Suche nach geeignetem Personal für die offenen Stellen, sind diese digitalen Möglichkeiten ein Geschenk.

Perfektion oder Emotion?

DesignWas wollen wir eigentlich? Perfektion, Emotion, Qualität, Design?

Heute öffnete die CeBIT ihre Pforten. Für mich ist das jedes Jahr ein fester Termin in meinem Kalender. Auch in diesem Jahr waren einige Gespräche auf der Messe verabredet ansonsten ließ ich mich treiben.

Ich trieb vorbei an Dronen, neuster Technologie, autonomem Fahren und strandete wie auch im vergangenen Jahr bei Watson dem „Supercomputer“.

Komplexe Software ist in der Lage nahezu Perfektion in der Fertigung zu schaffen. Abweichungen sind für das Auge kaum wahrnehmbar. Supercomputer wie Watson verfügen über eine Menge an Wissen, dass sie in kürzeste Zeit für den Menschen nutzbar machen, dass unser Gehirn im Vergleich alt aussieht.

KönnenWissen oder Können?

Dennoch, haben sie einmal versucht eine Handwerkstechnik mittels Videoanleitung zu lernen? Ich versuche es öfter und stelle fest, ich muss üben, um meine Fähigkeiten in Richtung Können zu entwickeln.

Umso mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr Respekt habe ich vor unserem Team. Ähnlich geht es mir bei anderen Handwerken. Ein Paar Schuhe, ein Kleidungsstück, ein Essen, dass all meine Sinne anspricht, fasziniert mich. Ich überlege mir wer wohl dahinter steckt. Welche Gedanken sich die Handwerker dahinter wohl gemacht haben. Was sie dazu gebracht hat genau das zu kreieren, zu fertigen, dass ich erlebe.

Umfassendes Wissen schnell nutzbar zu machen, Abläufe zu vereinfachen, Fehler in Prozessen zu minimieren – das sind für mich die klaren Vorteile der Digitalisieren. Dafür gehe ich auf die CeBIT und recherchiere. Ich nutze die Technik um Menschen zu erreichen, die ich sonst nicht hätte erreichen können.

Perfektion, TransformationDigitale Transformation und Handwerk

Im Gegenzug zur digitalen Transformation aber nimmt mein Respekt vor Können zu, vor Handwerk zu. Hier arbeiten Menschen, die ein solches Können in ihrem Fach erlangt haben, dass Ihre Tätigkeit nahezu spielend leicht aussieht.

Was aber noch viel wichtiger ist: Hier arbeiten Menschen die mit Ihrer Leistung begeistern und unsere Sinne ansprechen. Handwerk wird fühlbar – ein gelungener Abend bei dem das Essen auf der Zunge schmilzt. Ein neuer Haarschnitt, der neue Energie in Ihnen weckt. Ein Brot, dass beim Aufschneiden so duftet, dass einem das Wasser im Mund zusammen läuft. Ein Raum, der durch ein frisch montiertes Möbelstück vervollständigt scheint.

All das ist Handwerk. Und auch wenn die digitale Transformation unser Leben in den Grundfesten verändert und ich die damit verbundenen Möglichkeiten schätze und nutze, all das wird für mich nie die Emotionen gelebten Handwerks ersetzen.

Dafür stehen wir alle morgens auf und wecken Emotionen. Oder ist das Leben ohne Emotionen lebenswert?