Das Gefühl von Holz

Neue Eiche  oder das Gefühl von Holz

Waren Sie schon einmal in einem Sägewerk? Falls nein, ich kann es nur empfehlen. Es riecht dort nach Harz, Holzstaub schwirrt durch die Luft und das Geräusch von holztrennenden Sägeblättern erfüllt kreischend den Raum.

Klingt in Ihren Ohren wenig verlockend? Ok, ich gebe zu, das ist bestimmt nicht so unbedingt notwendig für jedermann/-frau dies zu erleben.

Für uns als Holzfans und Möbeltischler hat dies Erlebnis einen ganz besonderen Reiz.

Wir kennen das Sägewerk seit Generationen und erfahren von jedem Stamm die regionale Herkunft. Jeder der wunderschönen alten Eichenstämme erzählt seine eigene Geschichte. In diesem Werk können wir jeden Stamm, jede Bohle, sehen, fühlen, riechen – und nicht zuletzt bereits das Möbelstück erkennen, dass es in unseren Händen werden wird.

Das Erlebnis ist etwas ganz und gar Besonderes.

Häufig erhalten wir schon zum Zeitpunkt des Einschneidens eines Stammes die Information, dass die Bohlen uns interessieren könnten. Wir schätzen Stämme, die eine ganz besondere Geschichte verkörpern durch dicke, knorrige Äste, dunkle Einschlüsse oder Löcher. Ganz besonders hellhörig werden wir, wenn seltene Bernsteineiche den Weg an die Säge findet. Das passiert nur einige wenige Male im Jahr. Die tiefdunkle Maserung der Bernsteineiche lässt sich gerade als Tisch- oder Arbeitsplatte ganz besonders zum leuchten bringen.

Während die Digitalisierung verstärkt das Augenmerk auf Geschwindigkeit, visuelle und auditive Erlebnisse lenkt, steht bei Holz in unserer Bearbeitung die Haptik im Vordergrund. Wir erleben, dass immer mehr unserer Kunden unsere Vorliebe für dieses besondere Holz teilen.

So stehen wir häufig in der Holzhalle und teilen dank digitaler Medien unser Erleben mit unseren Kunden, die dann sofort vor Ort mitentscheiden, welche Bohle wir für ihr Projekt mitnehmen.

Ob das Handwerk des Möbeltischlers und -schreiners in der klassischen Form in Zeiten der Digitalisierung bald ausgedient hat. Wir denken nein, denn nur mit Hand, Auge und einer Menge Fingerspitzengefühl lässt sich aus diesem Holz das besondere haptisch erlebbare Möbelstück als Unikat fertigen.

Duale Ausbildung im Handwerk

Ausbildung

Beim IHK Jahresauftakt in diesem Jahr hielt Dr. Christian Hinsch, der Präsident der IHK Hannover ein flammendes Plädoyer für die duale Ausbildung und appellierte an die Anwesenden wie die Kammer Werbung dafür zu machen. Seinen Worten zufolge sind im Kammerbezirk im vergangenen Jahr 3,3 % weniger Ausbildungsverträge geschlossen worden.

Uns im Handwerk betrifft das ähnlich. Nahezu jeder Betrieb beklagt den Fachkräftemangel. Die meisten Betriebe erhalten weniger Bewerbungen, einige Branchen nahezu keine Bewerbungen für die Ausbildung mehr.

Sprechen wir mit Kollegen, so dreht sich die Diskussion auch immer wieder um die Qualität der Auszubildenden, um Erwartungen, um Vorwissen.

Mit der Eintragung in die Handwerksrolle, haben wir in unserer Möbelmanufkatur bewusst dafür entschieden auszubilden. Bei uns wird im Tischlerhandwerk ausgebildet.

2017 werden voraussichtlich zwei unserer Auszubildenden ihre Gesellenprüfung absolvieren. Mit allen Höhen und Tiefen werden die Beiden stolz auf ihr Gesellenstück schauen können, dass sie mit allem ihrem in der Ausbildung erlangten Wissen und Können, eigenhändig gefertigt haben.

Als Frau für die Verwaltung sehe ich mich immer wieder staunend in der Werkstatt um und bin begeistert zu sehen, was hier aus einer Idee, Kreativität, Geschick und Können entsteht.

FachkräftegewinnungFachkräftemangel

Dürfen wir uns als Betriebe über Fachkräftemangel beschweren, wenn wir selbst nicht ausbilden? Ich denke Nein. Nur wenn wir selbst ausbilden und unser Wissen und Können vermitteln, wird es nachfolgende Generationen geben.

Doch wir müssen uns auch den aktuellen Herausforderungen anpassen. Wir leben in einer immer schneller werdenden, digitalisierten Welt. Wissen ist via Internet nahezu immer und überall abrufbar. Es gibt Listen von Berufen, die in absehbarer Zeit starken Veränderungen unterliegen oder nahezu ganz verschwinden.

Passt das Handwerk denn überhaupt noch in diese Zeit?

Für uns haben wir diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet und uns entschieden Wissen, vor allem aber Können in unserem Handwerk, dem Möbelbau zu erhalten und zu vermitteln.

Wir, in und für unsere Möbelmanufaktur bilden dual und im Handwerk aus. Das bedeutet für uns, genauso wie für die Azubis einen intensiven gemeinsamen Weg zu beschreiten und am Ende hoffentlich erfolgreich und stolz auf ein gelungenes Gesellenstück zu blicken.

Wir freuen uns auf all die, die diesen Weg mit uns gehen wollen und werden.